Allianz nach Rekordgewinn verhalten optimistisch

– von Alexander Hübner

München (Reuters) – Der Münchner Versicherungskonzern Allianz sieht nach einem operativen Rekordgewinn das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht.

Getrieben von der Schaden- und Unfallversicherung stieg das operative Ergebnis im vergangenen Jahr um neun Prozent auf 16,0 Milliarden Euro, wie die Allianz am Freitag mitteilte. Angepeilt hatte sie zuletzt 14,8 bis 15,8 Milliarden. Für das laufende Jahr stellte sie einen operativen Gewinn von 15 bis 17 Milliarden Euro in Aussicht – der Wert aus dem abgelaufenen Jahr ist wie üblich der Mittelwert der neuen Prognose. Analysten hatten auf mehr Selbstbewusstsein gehofft, was die Aktie um 0,7 Prozent auf 331 Euro bröckeln ließ. “Das ist nicht die Zeit, um schüchtern sein”, schrieb KBW-Analyst William Hawkins. “Das mag konservativ wirken, aber wir arbeiten in einem schwierigen Umfeld”, sagte Vorstandschef Oliver Bäte.

Gleichzeitig verwöhnt die Allianz die Aktionäre: Sie zahlt nicht nur eine Dividende von 15,40 (2023: 13,80) Euro je Aktie, etwas mehr als von Analysten erwartet. Dazu kommt das zweitgrößte Aktienrückkaufprogramm, seit die Allianz 2017 mit dem Rückkauf eigener Aktien begonnen hat. Von März an will sie eigene Aktien für bis zu zwei Milliarden Euro zurückkaufen, die anschließend eingezogen werden. Damit schüttet sie nicht nur überschüssiges Kapital aus, sondern verbessert auch den Gewinn je Aktie. Im vergangenen Jahr hatte der Dax-Konzern 1,5 Milliarden Euro für Aktienrückkäufe ausgegeben. Trotzdem stieg die Solvenzquote, der Maßstab für die Kapitalstärke, leicht auf 209 (206) Prozent. “Das ist ein Indiz, wie widerstandsfähig unser Geschäft ist”, sagte Finanzvorständin Claire-Marie Coste-Lepoutre.

“In einem Umfeld verhaltenen Wirtschaftswachstums und einer hohen Anzahl an Naturkatastrophen haben wir Rekorde beim operativen Ergebnis und beim Jahresüberschuss erzielt”, sagte sie. Der Nettogewinn nach Anteilen Dritter verbesserte sich 2024 um 16 Prozent auf 9,9 Milliarden Euro. “Alle Segmente haben das Jahr über dem Mittelwert des Zielkorridors für das operative Ergebnis abgeschlossen.” Leichte Zuwächse sieht sie im laufenden Jahr noch in der Sachversicherung und in der Vermögensverwaltung. Das Geschäftsvolumen, also die Summe aus Versicherungsprämien und Provisionen in der Vermögensverwaltung, schnellte 2024 um elf Prozent auf 179,8 Milliarden Euro, stärker als die mittelfristige Zielmarke von sieben bis neun Prozent.

SACHVERSICHERUNG BRINGT DIE HÄLFTE DES GEWINNS

Am stärksten über den Gewinnerwartungen lag die Schaden- und Unfallsparte, die mit 7,9 (2023: 6,9) Milliarden Euro allein fast die Hälfte des operativen Gewinns beisteuerte. Die Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich vor allem dank des Geschäfts mit Privat- und kleinen Firmenkunden auf 93,4 (93,8) Prozent, auch weil die Allianz für Naturkatastrophen weniger ausgeben musste als 2023. Eine steigende Kostenquote verhinderte einen noch deutlicheren Rückgang. Jefferies-Analyst Philipp Kett lobte trotzdem eine starke Kostendisziplin. Das stärkste Wachstum verzeichnete die Lebens- und Krankenversicherung, in der das Geschäftsvolumen um 15 Prozent nach oben schnellte.

Im Asset Management zogen die beiden Vermögensverwalter Pimco und Allianz Global Investors zusammen 84,8 Milliarden Euro frisches Geld an, fast viermal so viel wie ein Jahr zuvor. Damit verwaltete die Allianz Ende des Jahres 1,92 Billionen Euro für Kunden außerhalb des Konzerns, 208 Milliarden mehr als Ende 2023. Die Zuflüsse hätten sich im Januar fortgesetzt. Die Suche nach einem Partner für AllianzGI hat sie noch nicht aufgegeben: “Wir sind immer offen für Dinge, die unsere Aufstellung verbessern”, sagte Coste-Lepoutre. Grundsätzlich sei man aber zufrieden damit, zwei Vermögensverwalter zu haben – zumal sie sich geographisch und von der Ausrichtung ergänzten.

(Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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