Exportverband gegen Boykott von US-Waren – “Falsche Antwort”

Berlin (Reuters) – Der deutsche Außenhandelsverband BGA hält Aufrufe zum Boykott amerikanischer Waren wegen zunehmender Konflikte mit den USA nicht für den richtigen Weg.

“Auch wenn wir in politischen Fragen derzeit häufig anderer Meinung sind, wäre ein Boykott die falsche Antwort”, sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Dirk Jandura, am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. “Wir sollten die ohnehin schon komplexe Lage nicht weiter zuspitzen. Statt uns mit Boykotten, Zöllen und Gegenzöllen zu überziehen, sollten wir besser mit den USA in den Dialog über die transatlantischen Handelsfragen der Zukunft kommen.”

Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump vor gut zwei Monaten haben sich die Beziehungen der Vereinigten Staaten zu vielen langjährigen Verbündeten verschlechtert. So boykottieren viele Kanadier – teils unterstützt von Handel und Politikern – Waren “Made in USA”, nachdem Trump wiederholt von einer Annexion des nördlichen Nachbarn gesprochen hat. Auch in der Europäischen Union, der Trump mit hohen Strafzöllen droht, regt sich Protest. Auf der Online-Plattform Reddit haben sich 189.000 Mitglieder in dem Forum “BuyFromEU” organisiert, wo europäische Alternativen zu US-Produkten angepriesen werden.

“Die USA sind der wichtigste deutsche Handelspartner”, sagte BGA-Präsident Jandura. “Beide Wirtschaftsräume, die USA und der europäische Binnenmarkt, haben ein elementares Grundinteresse an funktionierenden wirtschaftlichen Beziehungen.”

Mit einem Außenhandelsumsatz – der Summe von Exporten und Importen – von 252,8 Milliarden Euro waren die USA im vergangenen Jahr erstmals seit 2015 wieder Deutschlands wichtigster Handelspartner. Damit wurde China abgelöst. Allein die deutschen Exporte in die USA summierten sich auf mehr als 161 Milliarden Euro und erreichten damit einen Rekordwert.

Unter den deutschen Exporteuren schwindet trotz der Zolldrohungen von Trump allmählich der Pessimismus. Das Barometer für die Exporterwartungen in der Industrie stieg im März auf minus 1,6 Punkte von minus 4,7 Zählern im Februar, wie das Münchner Ifo-Institut zu seiner Umfrage mitteilte. Mit dem zweiten Anstieg in Folge wurde der beste Wert seit Mai 2024 erreicht. “In der Exportwirtschaft keimt ein wenig Hoffnung auf”, sagte Ifo-Umfragechef Klaus Wohlrabe. “Die kommende Entwicklung auf den Weltmärkten mit Blick auf die Zolldrohungen bleibt aber mit hoher Unsicherheit behaftet.”

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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