Zollunsicherheit bremst Europas Börsen

Frankfurt (Reuters) – Mangels Klarheit über die geplanten US-Zollmaßnahmen haben sich Europas Anleger zur Wochenmitte zurückgezogen.

Der deutsche Leitindex Dax und sein europäisches Pendant Stoxx50 verloren bis gegen Mittag je 0,6 Prozent auf 22.970 Zähler und 5441 Punkte. “Die Ungewissheit vor der Verkündung der neuen US-Zölle ist vielen zu hoch, um jetzt in den Markt einzusteigen”, sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. “Gerade Zölle gegen Autos könnten viele Dax-Unternehmen empfindlich treffen.”

Einige Anleger klammerten sich jedoch an die Hoffnung, dass die Handelspolitik gemäßigter ausfallen könnte als befürchtet. US-Präsident Donald Trump hatte am Montag gesagt, dass nicht alle Handelsabgaben zum Stichtag 2. April kommen würden und einige Länder Ausnahmeregelungen erhalten würden. “Die Stimmung der Anleger ist bereits negativ. Wenn die Zölle nicht so schlimm ausfallen wie befürchtet, könnte dies als reinigendes Gewitter dienen und sich positiv auf risikoreiche Anlagen auswirken”, sagte Mohit Komur, Chefökonom für Europa bei Jeffries.

ÜBERNAHMEFIEBER TREIBT PRO7

Europaweit gehörten Aktien von Autoherstellern zu den größten Verlierern. Der Sektorindex gab 1,4 Prozent nach. Heraus stachen Papiere von Michelin mit einem Abschlag von 5,5 Prozent. Der französische Reifenhersteller hat zwei Werke in Mexiko und drei in Kanada und ist damit vom Zollstreit mit den beiden Ländern direkt betroffen. Im Finanzsektor stürzten Aktien von GAM Holding an der Börse Zürich um mehr als elf Prozent ab. Das Schweizer Fondshaus rechnet erst 2026 mit einer Rückkehr in die Gewinnzone.

Öl- und Gasunternehmen waren hingegen angesichts steigender Ölpreise gefragt. Größter Dax-Gewinner waren Siemens Energy mit einem Aufschlag von vier Prozent. Die Tochtergesellschaft Siemens Gamesa trennt sich vom größten Teil ihrer Windenergie-Geschäfte in Indien. Der Preis für die Windenergieanlagen dürfte bei 500 bis 550 Millionen Dollar liegen, sagte ein Händler. Dagegen rutschten die Aktien von Sartorius um knapp vier Prozent ans Dax-Ende. Ein Händler verwies auf einen negativen Analystenkommentar und die bevorstehende Hauptversammlung des Pharma-Zulieferers.

Übernahmespekulationen gaben ProSiebenSat.1 einen Schub um 6,5 Prozent. Der von der italienischen Berlusconi-Familie kontrollierte Fernsehkonzern MFE hat Insidern zufolge für Mittwoch eine Sitzung des Verwaltungsrats einberufen, um ein mögliches Angebot für den deutschen Konkurrenten zu prüfen.

ABFLAUENDE BRITISCHE INFLATION NÄHRT ZINSSENKUNGSFANTASIEN

Anleger blickten am Mittwoch auch nach Großbritannien, wo Finanzministerin Rachel Reeves im Laufe des Tages über ihre Haushaltspläne informieren will. Die Regierung ringt um das Vertrauen der Anleger. Diese sorgen sich, ob die Sanierung der öffentlichen Finanzen angesichts des schwächelnden Wirtschaftswachstums gelingen kann.

Die im Februar deutlicher als erwartet zurückgegangene Inflation auf der Insel nährte unterdessen Zinssenkungsfantasien. Die Verbraucherpreise stiegen um 2,8 Prozent zum Vorjahresmonat, Experten hatten mit einem Wert von 2,9 Prozent gerechnet. Laut Volkswirt Luke Bartholomew von der Investmentfirma Aberdeen lieferten die Daten Argumente für eine geldpolitische Lockerung der Bank of England, während andere Experten den Inflationsdruck als immer noch zu hoch ansehen. Das Pfund verbilligte sich um bis zu 0,5 Prozent auf 1,2883 Dollar.

(Bericht von Anika Ross, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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