Trump erhöht Autozoll – Hiobsbotschaft für Europa

Frankfurt/Berlin/Washington (Reuters) – Die geplanten zusätzlichen US-Einfuhrzölle von 25 Prozent auf Autos lösen große Sorgen über eine Eskalation in dem von US-Präsident Donald Trump entfesselten Handelsstreit aus.

Politiker, Verbände und Unternehmen warnten vor den schädlichen Folgen für die exportstarke deutsche Wirtschaft wie auch für die Vereinigten Staaten selbst. Der scheidende Wirtschaftsminister Robert Habeck erklärte am Donnerstag, die Europäische Union (EU) müsse mit “Stärke und Selbstbewusstsein” reagieren und zugleich weiter um Verhandlungslösungen mit den USA ringen. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen kündigte noch in der Nacht an, entsprechende Schritte zu prüfen. Der Autozoll sei “schlecht für Unternehmen, noch schlechter für Verbraucher.”

Trump verkündete den Zoll, der auch Autoteile betrifft, mit harten Worten am Mittwoch im Oval Office: “Wir werden die Länder dafür belangen, dass sie in unserem Land Geschäfte machen und uns unsere Arbeitsplätze, unseren Wohlstand wegnehmen.” Bisherige “Freunde” sind aus seiner Sicht “oft viel schlimmer als der Feind.” Der Republikaner will mit den Zöllen Einnahmen für Steuersenkungen erzielen und ausländische Unternehmen zu mehr Investitionen in die USA drängen. Dabei riskiert er einen Anstieg der Autopreise, denn jeder zweite Neuwagen in den USA wird importiert. Der Aufschlag wird zusätzlich zum bestehenden Zollsatz von 2,5 Prozent erhoben.

KOSTEN SCHLUCKEN – INVESTIEREN?

“Die gesamte Automobilindustrie sowie die weltweiten Zulieferketten und -betriebe und auch Kundinnen sowie Kunden werden die negativen Konsequenzen zu tragen haben”, erklärte Volkswagen. Die USA sind das wichtigste Exportland für die deutsche Autoindustrie. VW, BMW, Mercedes-Benz oder Daimler Truck sind ebenso wie die großen Zulieferer Bosch, Continental oder ZF Friedrichshafen mit ihrer Produktion vor Ort große Arbeitgeber in den USA. Porsche ist auf seinem wichtigsten Markt mangels eigener Fertigung komplett auf Importe angewiesen. Autoaktien verloren an der Börse drei bis fünf Prozent. Der hohe Importzoll bedeute orkanartigen Gegenwind für die ausländischen und, da viele Teile importiert werden, auch für die US-Autobauer selbst, warnten Analysten von Wedbush.

Die Unternehmen bereiten sich schon eine Weile auf die Zölle vor – sie müssen kurzfristig entscheiden, wie viel sie auf die Kunden abwälzen können, ohne dass der Absatz einbricht. Analysten rechnen mit deutlichen Gewinneinbußen. Langfristig stellt sich die Frage nach Investitionen in die US-Produktion. Die deutschen Autobauer und Zulieferer wiesen auf ihr umfangreiches bestehendes Engagement in den USA hin.

DEAL MIT TRUMP ERHOFFT

EU-Handelskommissar Maros Sefcovic war erst in dieser Woche wieder zu Gesprächen in Washington. EU-Diplomaten sagten, die US-Regierung sei nicht verhandlungsbereit, bevor alle angepeilten Zölle verhängt seien. Die EU-Kommission hat Vergeltungsmaßnahmen im Volumen von 28 Milliarden Dollar in der Schublade, die sie voraussichtlich am 4. April ankündigen wird.

Trotz der rhetorischen Härte Trumps setzen Industrie und Politik auf Verhandlungen, da es bei dessen erster Amtszeit so gelungen war, den Zollhammer abzuwenden. “Wir setzen darauf, dass politische Entscheidungsträger den Dialog fortsetzen, um in der aktuellen komplexen Lage gemeinsam eine Lösung zu finden”, erklärte der weltweit größte Autozulieferer Bosch. So sieht es auch ZF Friedrichshafen und ergänzte, “eine neue Welle des Protektionismus schafft nur Verlierer.” BMW appellierte an die Verantwortung von EU und USA als größte Handelspartner der Welt. “Beide Seiten sollten daher zeitnah einen transatlantischen Deal finden, der Wachstum hervorbringt und eine Spirale der Abschottung und Handelsbarrieren verhindert.”

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil, der auch im VW-Aufsichtsrat sitzt, sagte, die EU müsse dafür sorgen, dass der europäische Markt auch für amerikanische Produkte nur unter erschwerten Bedingungen zugänglich werde. “Ich hoffe sehr, dass diese Auseinandersetzung keine Eskalation nimmt”, sagte er.

Der Außenhandelsverband BGA wird die ohnehin schon negative Prognose für deutsche Exporte von einem Rückgang um 2,7 Prozent nun deutlich senken. “Es wird zu einem erheblichen Einbruch des Wirtschaftswachstums, zu einer höheren Inflation und zu Arbeitsplatzverlusten in Europa und den USA führen”, sagte BGA-Präsident Dirk Jandura. Die EU-Reaktion solle die dominante Rolle amerikanischer Digitalkonzerne in Europa berücksichtigen.

DIGITALSTEUER FÜR US-TECHRIESEN

Eine Digitalsteuer hält auch der Präsident des Ifo-Instituts Clemens Fuest für ratsam. Die EU solle mit Gegenmaßnahmen wie der für die Tech-Konzerne in den USA schmerzhaften Digitalsteuer drohen, und zugleich mit der US-Regierung weiter über eine Rücknahme der Zölle verhandeln. Wirtschaftsforscher erwarten vor allem für die Autoindustrie in Deutschland einen Schaden, halten die Folgen für die Gesamtwirtschaft aber für überschaubar.

Trump drohte unterdessen schon die nächste Verschärfung an: Die Zölle für die EU und Kanada will er noch weiter erhöhen, wenn beide sich gegen die USA zusammentun sollten, erklärte er auf seinem Portal Truth Social. Die Autozölle sollen am 3. April inkraft treten, einen Tag nachdem der US-Präsident weitere Strafzölle, etwa auf Pharmaprodukte, ankündigen will.

(Reuters-Büros; geschrieben von Ilona Wissenbach, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com)

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