– von James Mackenzie
Jerusalem (Reuters) – Israel hat am Mittwoch eine umfassende Ausweitung seiner Militäroperationen im Gazastreifen und eine Beschlagnahmung von weiten Teilen des palästinensischen Küstenstreifens angekündigt.
Dies geht einher mit großflächigen Evakuierungen der Bevölkerung. Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, dass Evakuierungen in Kampfgebieten stattfinden werden. Er forderte die Bewohner des Gazastreifens auf, die Hamas zu beseitigen und israelische Geiseln zurückzugeben. Dies sei der einzige Weg, den Krieg zu beenden. Die Bundesregierung ließ weitere Deutsche aus dem palästinensischen Küstenstreifen herausbringen.
Katz sagte, der Einsatz werde Militante und Infrastruktur beseitigen “und große Gebiete einnehmen, die den Sicherheitszonen des Staates Israel hinzugefügt werden”. Das israelische Militär hatte bereits Evakuierungen in einigen südlichen Bezirken angeordnet. Palästinensische Radiosender berichteten, das Gebiet um Rafah sei nach den Evakuierungsbefehlen fast vollständig verlassen. Das von der radikal-islamischen Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium in Gaza teilte mit, dass am Mittwoch 53 Menschen bei israelischen Angriffen getötet wurden. Allein 19 Menschen seien bei einem Angriff auf eine UN-Klinik, die als Unterkunft für Vertriebene genutzt wurde, ums Leben gekommen, darunter seien auch Kinder.
Das israelische Militär erklärte, es habe ein Gebäude angegriffen, das früher als Klinik genutzt worden sei und nun als Hamas-Kommando- und Kontrollzentrum zur Planung von Angriffen gedient habe. Das Militär habe Überwachungsmaßnahmen eingesetzt, um das Risiko für Zivilisten zu verringern. Die Hamas bestritt, das Gebäude zu nutzen, und bezeichnete die israelische Anschuldigung als “offensichtliche Erfindung”. Reuters-Videoaufnahmen von den Folgen des Angriffs zeigten Blut auf dem Boden, während Rettungskräfte Leichen auf Tragen abtransportierten.
“DAS IST DER EINZIGE WEG”
Aus der Erklärung von Katz ging nicht hervor, wie viel Land Israel besetzen will und ob es sich um eine dauerhafte Annexion handelt. Dies würde den Druck auf eine Bevölkerung weiter erhöhen, die bereits in einem der am dichtesten besiedelten Gebiete der Welt lebt. Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsgruppe Gisha hat Israel bereits etwa 62 Quadratkilometer oder rund 17 Prozent der Gesamtfläche des Gazastreifens unter seine Kontrolle gebracht. Dies geschah im Rahmen einer Pufferzone um die Ränder des Küstenstreifens.
Gleichzeitig haben israelische Regierungsvertreter erklärt, sie wollten die freiwillige Ausreise von Palästinensern aus dem Gebiet erleichtern. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor gefordert, den Gazastreifen dauerhaft zu evakuieren und unter US-Kontrolle zu einem Küstenresort umzugestalten. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu forderte eine Entwaffnung der Hamas. Militärischer Druck sei der beste Weg, die verbliebenen 59 israelischen Geiseln im Gazastreifen zurückzubekommen.
Ermutigt wird Israel, da es im Gazastreifen zuletzt zu palästinensischen Protesten gegen die Hamas gekommen war. Die militante Gruppe kontrolliert das Gebiet seit 2007. Die ausgeweitete Operation scheint zumindest teilweise darauf abzuzielen, den zivilen Druck auf die Hamas-Führung zu erhöhen. “Ich rufe die Bewohner des Gazastreifens auf, jetzt zu handeln, um die Hamas zu beseitigen und alle Entführten zurückzubringen”, sagte Katz. “Dies ist der einzige Weg, den Krieg zu beenden.”
“IN ENGER ABSTIMMUNG”
Nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin vom Mittwoch ließ die Bundesregierung 19 deutsche Staatsbürger und deren enge Familienangehörige aus dem Gazastreifen evakuieren. Die Ausreise sei “in enger Abstimmung mit den israelischen Behörden” vollzogen worden. Dabei sei der Grenzübergang Kerem Schalom genutzt worden, sagte eine Ministeriumssprecherin. Die Weiterreise sei dann über einen Flughafen in Süd-Israel direkt nach Leipzig erfolgt. Unter den Ausgereisten waren auch 14 Familienangehörige mit palästinensischer Volkszugehörigkeit.
Israel hatte vergangenen Monat die Luftangriffe auf den Gazastreifen wieder aufgenommen und erneut Bodentruppen in Marsch gesetzt. Zuvor hatte es zwei Monate eine Waffenruhe gegeben, die den Austausch von Hamas-Geiseln gegen palästinensische Gefangene in israelischen Gefängnissen ermöglicht hatte. Seit der Wiederaufnahme der Angriffe wurden Hunderte Palästinenser getötet. Israel hat auch die Hilfslieferungen in das Gebiet unterbrochen mit der Begründung, dass ein Großteil davon von der Hamas beschlagnahmt werde.
Israel war im Oktober 2023 in den Gazastreifen einmarschiert, nachdem Tausende von der Hamas angeführte Bewaffnete den Süden Israels angegriffen hatten. Dabei wurden nach israelischen Angaben 1.200 Menschen getötet und 251 als Geiseln genommen. Der israelische Feldzug hat nach Angaben palästinensischer Gesundheitsbehörden mehr als 50.000 Palästinenser getötet und den Gazastreifen verwüstet. Fast die gesamte Bevölkerung von 2,3 Millionen Menschen wurde aus ihren Häusern vertrieben.
(Mitarbeit James Mackenzie, Maayan Lubell, Ali Sawafta, Alexander Ratz; Bearbeitet von Alexander Ratz; redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)