Einzelhandel warnt vor höheren Preisen bei Handelskrieg – “Gift für Konsum”

Berlin (Reuters) – Der deutsche Einzelhandel warnt vor Preiserhöhungen als Folge eines Handelskriegs mit den USA.

“Viele Handelsunternehmen werden Zollerhöhungen mindestens mittelfristig auch an die Endverbraucher in den Verkaufspreisen weitergeben müssen”, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. “Denn meist sind die Margen im Einzelhandel niedrig, solche Beträge können nicht einfach abgepuffert werden.” Alternativ dürften sich einige Handelsunternehmen nach neuen Lieferanten in anderen Ländern umsehen. “Doch auch dieser Prozess und der Aufbau neuer Lieferketten kostet Zeit und Geld”, sagte Genth. Die USA hätten etwa bei Cranberries oder Schalenfrüchten eine starke Stellung.

“Neue Zölle sind immer schlecht für den Handel und seine Lieferketten”, fasste der HDE-Experte zusammen. Leider habe die US-Seite die zu Verhandlungen ausgestreckte Hand der EU-Kommission ausgeschlagen. “Jetzt müssen wir aufpassen, dass wir nicht in eine sich immer weiter drehende Zollspirale von allen Seiten geraten.” Der Einzelhandel brauche verlässliche und planbare Lieferketten. “Insgesamt tragen die Drohungen mit Zöllen zur Verunsicherung bei Unternehmen und Verbrauchern bei, das ist in der ohnehin komplizierten Lage des Konsums Gift”, sagte Genth.

US-Präsident Donald Trump zufolge soll ab dem 5. April ein Zoll auf Importe aus der EU von 20 Prozent gelten. Die EU-Kommission bereitet Gegenmaßnahmen vor. Außenhandelspräsident Dirk Jandura warnt vor Boykottaufrufen gegen amerikanische Waren. “Als Händler halte ich von grundsätzlichem Boykott wenig”, sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) zu Reuters. Er glaube nach wie vor an die vielen Vorteile des freien Handels. “Bei diesen Boykottaufrufen, die sich auch in den sozialen Medien so schnell verbreiten, muss man zudem vorsichtig sein”, betonte Jandura. “Viele der vermeintlich amerikanischen Produkte werden zum Teil oder ganz hier in Deutschland produziert. Da trifft man dann letztendlich deutsche Unternehmer und Arbeitnehmer.”

Große Boykottbewegungen gegen US-Waren gibt es in Kanada und Dänemark – vor allem, weil Trump Kanada zum 51. US-Bundesstaat machen möchte und das zu Dänemark gehörende Grönland kaufen will. Auch in der Europäischen Union regt sich Protest. Auf der Online-Plattform Reddit haben sich 200.000 Mitglieder in dem Forum “BuyFromEU” organisiert, wo europäische Alternativen zu US-Produkten angepriesen werden.

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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