Düsseldorf/Frankfurt (Reuters) – Die Zitterpartie der rund 3000 Beschäftigten des Duisburger Stahlkonzerns Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) geht in eine neue Runde.
Die IG Metall warnte am Donnerstag den Haupteigentümer Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE) davor, den Liefervertrag mit dem um seine Zukunft bangenden Unternehmen zu kündigen.
Am Freitag würden mehrere Hundert Beschäftigte der HKM vor der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung bei TKSE erwartet, die ihren Unmut zum Ausdruck bringen wollten, hieß es in einer der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Info der Gewerkschaft. Arbeitnehmervertretern aus dem Aufsichtsrat zufolge will TKSE den Vertrag mit dem Stahlkocher kündigen, an dem das Unternehmen mit 50 Prozent beteiligt ist. TKSE bestätigte, dass eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung am Freitag geplant ist, nannte aber keine Einzelheiten.
“Die Beschäftigten von HKM fordern den Aufsichtsrat der TKSE auf, diesen Liefervertrag nicht zu kündigen, sondern vielmehr aktiv den Verkaufsprozess der Hütte, abgestimmt mit dem weiteren Gesellschafter, der Salzgitter AG, zu fördern”, hieß es in dem Aufruf der Gewerkschaft. Dies erfordere aber Zeit und dürfe nicht durch überstürzte Handlungen des größten Gesellschafters negativ beeinflusst werden.
IG METALL: KEIN GRUND ZUR EILE
TKSE könne den Vertrag zum Ende des Jahres kündigen, sagte der Geschäftsführer der IG Metall Duisburg-Dinslaken, Karsten Kaus, Reuters. Die Abnahmevereinbarungen liefen danach aber noch sieben Jahre weiter. Es gebe daher keinen Grund zur Eile.
TKSE hatte angekündigt, seine HKM-Beteiligung von 50 Prozent zu verkaufen. Sollte dies nicht gelingen, werde HKM geschlossen. Ein Verkauf an den Investor CE Capital war kürzlich gescheitert. Thyssenkrupp-Konzernchef Miguel López will die Kapazitäten für die Stahlproduktion deutlich zurückfahren. Dazu könnte auch anteilig die HKM-Produktion gehören.
Salzgitter hält 30 Prozent der Anteile. Vorstandschef Gunnar Groebler hatte gesagt, dass Produkte, wie HKM sie herstellen könne, für Rüstungsgüter verwendet werden könnten. Von Salzgitter war am Donnerstag zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Der französische Röhrenkonzern Vallourec, der mit 20 Prozent an HKM beteiligt ist, lehnte einen Kommentar ab.
(Bericht von Tom Käckenhoff und Christoph Steitz, redigiert von Thomas Seythal)