Washington (Reuters) – US-Präsident Donald Trump hat am Mittwoch beispiellose Zollerhöhungen auf alle Importe der USA per Dekret erlassen.
Damit hat er Sorgen um den Ausbruch eines umfassenden Handelskrieges befeuert, der weltweit zu einer Abkühlung der Konjunktur führen könnte. Mehrere Handelspartner, darunter die Europäische Union, haben bereits Gegenmaßnahmen angekündigt.
Ab dem 5. April soll nun ein Basiszoll von zehn Prozent auf alle Importe in die Vereinigten Staaten gelten. Zudem kündigte Trump noch höhere Zölle auf einige der größten Handelspartner an, die am 9. April wirksam werden sollen. Für die Europäische Union sollen Zölle in Höhe von 20 Prozent greifen. “Das ist unsere Unabhängigkeitserklärung”, sagte der Präsident bei einer eigens vorbereiteten Zeremonie im Rosengarten des Weißen Hauses. Er zeigte auf ein Plakat, auf dem die neuen Zölle aufgelistet waren. Allein für China sind Zölle von 34 Prozent vorgesehen. Einem US-Insider zufolge stehen rund 60 Länder auf dieser Liste der “größten Missetäter”. Es seien weitere Zölle in bestimmten Branchen geplant, etwa Halbleiter, Pharmaprodukte oder möglicherweise kritische Mineralien, fügte der Insider hinzu.
“AGGRESSIVER ALS ERWARTET”
Während der Ankündigung Trumps gaben die US-Aktienfutures nach. Die S&P-500-Futures verloren 1,7 Prozent und die des techniklastigen Nasdaq-Indexes fast zwei Prozent. Dies deutet darauf hin, dass die Investoren bei der Wiedereröffnung des Handels am Donnerstag Kursverluste erwarten. “Die Vergeltungszölle sind deutlich aggressiver als erwartet”, sagte der unabhängige Metallhändler Tai Wong. Der Preis für Gold, das als sicherer Hafen für Anleger in turbulenten Zeiten gilt, legte um 0,7 Prozent auf 3133,57 Dollar zu.
Trump konkretisierte auch die bereits angekündigten Autozölle in Höhe von 25 Prozent, die am Donnerstag um 00.01 Uhr (US-Ostküstenzeit; 06.01 Uhr MESZ) in Kraft treten sollen. Demnach sind davon auch Transporter, Motoren, Lithium-Batterien und weitere Teile wie Reifen oder Stoßdämpfer betroffen. Trump hat bereits Zölle in Höhe von 20 Prozent auf alle Einfuhren aus China und in Höhe von 25 Prozent auf Stahl und Aluminium verhängt.
Mit dem Zöllen will Trump das dauerhafte Handelsdefizit der USA bekämpfen und Einnahmen generieren. “Handelsdefizite sind nicht mehr nur ein wirtschaftliches Problem. Sie sind ein nationaler Notfall”, sagte der Republikaner. Auch für die US-Wirtschaft sieht er positive Effekte: “Arbeitsplätze und Fabriken werden zurück in unser Land kommen.” Mehr Produktion zuhause bedeute mehr Wettbewerb und niedrigere Preise.
Ökonomen haben allerdings davor gewarnt, dass die Zölle die Weltwirtschaft verlangsamen, das Risiko einer Rezession erhöhen und die Lebenshaltungskosten für die durchschnittliche US-Familie um Tausende von Dollar steigern könnten. Unternehmen haben sich darüber beschwert, dass Trumps Drohungen die Planung ihrer Geschäfte erschwert haben. Die Sorgen über die Zölle haben bereits zu einer Verlangsamung der Produktion in der ganzen Welt geführt. Eine Zwischenkonjunkturphase gab es für Autos und andere Importprodukte, da Kunden die erwarteten Preiserhöhungen vermeiden wollten.
(Bericht von Andrea Shalal und Andy Sullivan, geschrieben von Hans Busemann, redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)