– von Daniela Pegna
Frankfurt (Reuters) – Das drastische Zollpaket von US-Präsident Donald Trump hat am Donnerstag Schockwellen durch die Märkte gesendet.
Der Dax rutschte unter die 22.000-Punkte Marke und fiel um bis zu 2,6 Prozent auf 21.809 Punkte, der EuroStoxx50 gab 2,5 Prozent nach. Auch an der japanischen Börse ergriffen die Anleger die Flucht, am Devisenmarkt ging der Dollar auf Talfahrt. “Trump pokert hoch, die Börsen fallen tief”, resümierte Jochen Stanzl von CMC Markets. Aus Sicht von QC-Partners-Analyst Thomas Altmann rückt der US-Präsident “die Weltwirtschaft näher an den Abgrund heran”. Dieses Vorgehen werde weltweit Wachstum kosten, viele Staaten könnten in die Rezession rutschen. “Was als Handelskonflikt begonnen hat, hat sich spätestens mit den jetzigen US-Maßnahmen zum globalen Handelskrieg entwickelt”, sagte Altmann.
Trump hat am Mittwoch beispiellose Zollerhöhungen auf Importe der USA per Dekret erlassen. Ab dem 5. April soll nun ein Basiszoll von zehn Prozent auf alle US-Importe gelten. Zudem kündigte der Republikaner noch höhere Zölle für einige der größten Handelspartner an, die am 9. April wirksam werden sollen. Für die Europäische Union sollen 20 Prozent gelten, für China sind 34 Prozent vorgesehen.
ZÖLLE DRASTISCHER ALS ERWARTET AUSGEFALLEN
In der Einschätzung vieler Analysten fielen die Zölle Trumps höher aus erwartet aus. “Wer gehofft hatte, dass am Ende doch nicht alles so schlimm kommen wird, der hat sich abermals in dem unberechenbaren Republikaner getäuscht”, sagte Jürgen Molnar von RoboMarkets. Besonders betroffen sind auf der Unternehmensseite die Sportartikelhersteller, da wichtige Produktionsländer wie Kambodscha, Vietnam, Bangladesch oder Indonesien mit Zöllen zwischen 49 und 32 Prozent belegt wurden. Im Dax brachen die Adidas-Titel um bis zu 10,8 Prozent auf 197,10 Euro ein und markierten damit den tiefsten Stand seit knapp einem Jahr. Puma-Papiere waren mit einem Abschlag von zeitweise 11,4 Prozent auf 20,24 Euro so billig wie seit fast neun Jahren nicht mehr. Die an der Frankfurter Börse notierten Aktien von Nike rutschten um 7,8 Prozent ab. Im vorbörslichen US-Handel mussten die Aktien vieler US-Einzelhändler angesichts ihrer asiatischen Produktionsstandorte Einbußen hinnehmen. Die Titel des Einzelhandelsriesen Walmart verloren 6,2 Prozent, die des Großeinzelhändlers Target 4,7 Prozent.
Unter die Räder gerieten ebenfalls die Titel vieler europäischer Luxusfirmen. Die Aktien des Cartier-Mutterkonzerns Richemont und des Uhrenkonzerns Swatch rutschten um rund fünf Prozent ab. Die Papiere des dänischen Schmuckherstellers Pandora brachen um zwölf Prozent ein, Burberry fielen um vier Prozent, der Gucci-Mutterkonzern Kering um 5,7 Prozent.
KONJUNKTURSORGEN LASSEN ÖL- UND KUPFERPREIS ABRUTSCHEN
An den Rohstoffmärkten hinterließ die Furcht vor einem weltweiten Konjunktureinbruch bei den Öl- und Kupferpreisen ihre Spuren. Die Nordsee-Sorte Brent und US-Öl WTI verbilligten sich um jeweils rund dreieinhalb Prozent auf 72,37 und 69,10 Dollar je Fass (159 Liter). Der Preis für das Industriemetall Kupfer wurde mit zeitweise 9485 Dollar je Tonne 2,2 Prozent niedriger gehandelt. Die Nachfrage nach Öl hänge besonders stark von mit hohen Zöllen belegten asiatischen Schwellenländern ab, sagte Vivek Dhar von der Commonwealth Bank of Australia. Auf der Suche nach sicheren Häfen griffen die Anleger bei der Anti-Krisen-Währung Gold zu. Der Preis für das Edelmetall stieg zeitweise um 1,1 Prozent auf ein neues Allzeithoch von 3167,57 Dollar je Feinunze. Allein in diesem Jahr kommt Gold auf ein Plus von mehr als 15 Prozent.
Gefragt waren angesichts der Marktturbulenzen auch Staatsanleihen. Die Kurse der zehnjährigen deutschen Titel stiegen, im Gegenzug fiel die Rendite bis auf 2,625 Prozent nach 2,725 Prozent im Schlussgeschäft vom Mittwoch. Das ist der tiefste Stand seit Anfang März. Die Verzinsung der zehnjährigen US-Anleihe ging in der Spitze um 15 Basispunkte auf ein Fünfeinhalb-Monats-Tief von 4,040 Prozent zurück.
Einen rabenschwarzen Tag erlebte die US-Währung. Der Dollar-Index markierte in Erwartung niedriger Wachstumsraten ein Sechs-Monats-Tief. Er fiel in der Spitze um 1,8 Prozent auf 101,9510 Punkte. Der Euro konnte nach den Zollankündigungen Trumps dagegen Boden gut machen. Die Gemeinschaftswährung stieg um bis zu 1,8 Prozent auf 1,1047 Dollar. Die Widerstandsfähigkeit des Euro sei wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass sich Europa angesichts der US-Zölle auf die Unterstützung seiner Wirtschaft konzentriere, statt nur auf Vergeltungsmaßnahmen zu setzen, sagte Rodrigo Catril, Währungsstratege bei der National Australia Bank.
(Bericht von: Daniela Pegna, Mitarbeit Zuzanna Szymanska, redigiert von Kirsti Knolle; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)