Ökonomen fordern deutsch-französischen KI-Rechencampus

Berlin (Reuters) – Führende Ökonomen aus Deutschland und Frankreich fordern konkrete Maßnahmen gegen die Rückständigkeit Europas in vielen Technologiebereichen.

Beide Länder sollten etwa einen gemeinsamen Rechencampus für Künstliche Intelligenz (KI) errichten, heißt es in dem Papier des Deutsch-Französischen Rates der Wirtschaftsexperten. Dieser solle bis 2027 eingerichtet und mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Er soll dazu beitragen, die KI-Investitionslücke zu den USA und China zu schließen, schreiben die Autoren Xavier Jaravel, Jean Pisani-Ferry, Monika Schnitzer und Jakob von Weizsäcker.

Zudem sollte ein Pendant zur US-Rüstungsagentur DARPA geschaffen werden. Diese solle eine kritische Masse für den Anschub bahnbrechender Innovationen erreichen, mit mehrjährigen Finanzierungszyklen, beschleunigten Antragsverfahren und missionsspezifischen Ausschreibungen. Vorgeschlagen wird zudem ein deutsch-französisches KI-Sicherheitsinstitut, “um eine der offensichtlichsten Schwachstellen Europas gegenüber staatlichen und privaten Akteuren im digitalen Zeitalter anzugehen”.

Die Experten raten zudem zu einer besseren Zusammenarbeit bei der Beschaffung von Verteidigungsgütern in Europa. Derzeit seit sei sie entlang nationaler Grenzen fragmentiert. “Dies stellt eine erhebliche Belastung für die öffentlichen Finanzen und die Innovationsfähigkeit Europas dar”, hieß es.

Um das zu ändern, sollten gemeinsam ambitionierte Vorhaben (“Moonshot-Projekte”) in den Bereichen Künstliche Intelligenz, autonome Systeme, Weltraum, Hyperschallwaffensysteme und strategische Wegbereiter (“Enabler”) gestartet werden. “Sie werden erhebliche Auswirkungen auf das gesamte Wirtschaftssystem haben”, schreiben die Experten. Diese Moonshot-Projekte würden auch maßgeblich dazu beitragen, einen Binnenmarkt für die meisten militärischen Ausrüstungsgüter zu schaffen. Dieser existiere bisher nicht. Gefördert werden solle der gemeinsame Besitz wichtiger Verteidigungsgüter. Finanziert werden könne das “möglicherweise durch die Ausgabe gemeinsamer Schuldtitel”.

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Sabine Ehrhardt – Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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