Handel mit Umsatzplus zum Jahresauftakt – “Kein guter Start”

Berlin (Reuters) – Die deutschen Einzelhändler sind etwas besser als erwartet ins Jahr gestartet.

Ihr Umsatz wuchs im Januar um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Inflationsbereinigt (real) gab es ein Plus von 0,2 Prozent. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten hier nur mit einer Stagnation gerechnet. Verglichen mit Januar 2024 zogen die Umsätze um real 2,9 Prozent an.

Ökonomen zeigten sich dennoch enttäuscht. “Das ist kein guter Start in das neue Jahr”, sagte der Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, Cyrus de la Rubia – zumal der Dezember schlecht gelaufen sei. “Ganz offensichtlich hält die Unsicherheit, die durch die allmählich steigende Arbeitslosigkeit verstärkt wird, die Menschen davon ab, großzügig Geld auszugeben.” Das sieht auch Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank so. “Die Spendierhosen der Verbraucher werden vorerst im Schrank bleiben”, sagte der Chefökonom. “Um den Konsum zu steigern, wird eine neue Bundesregierung vor allem die hohe Unsicherheit senken müssen.”

PLUS BEI LEBENSMITTELN

Besonders der Handel mit Lebensmitteln lief gut: Hier legte der Umsatz real um 1,5 Prozent zum Vormonat zu. Bei Nicht-Lebensmitteln gab es dagegen ein Minus von 0,2 Prozent. “Rechnet man die Lebensmittel heraus, ergibt sich sogar ein Rückgang bei den Einzelhandelsumsätzen”, sagte Volkswirt de la Rubia. Im Internet- und Versandhandel wurde sogar ein Rückgang von 4,2 Prozent gemeldet.

Der Branchenverband HDE rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatzplus von zwei Prozent auf 677 Milliarden Euro. Bereinigt um steigende Preise soll ein reales Wachstum von 0,5 Prozent herauskommen. Im vergangenen Jahr waren die Erlöse der Branche nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 2,5 (real: 1,1) Prozent gewachsen. Die Kaufkraft der Beschäftigten ist im vergangenen Jahr so stark gestiegen wie seit mindestens 2008 nicht mehr: Die Reallöhne wuchsen um durchschnittlich 3,1 Prozent im Vergleich zu 2023. Diese lagen aber immer noch unter dem Niveau von 2019, sagen Ökonomen. Die Kauflaune der deutschen Verbraucher trübt sich weiter ein – auch wegen der steigenden Arbeitslosigkeit.

Die Kauflaune bleibt wohl auch deshalb gedämpft. Das Barometer für das Konsumklima im März sank überraschend auf minus 24,7 Punkte von revidiert minus 22,6 Zählern im Vormonat, wie die GfK und das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) herausfanden. Die Forscher prognostizieren anhand einer Umfrage vom Februar unter rund 2000 Verbrauchern die Konsumstimmung für den Folgemonat. “Die aktuellen Zahlen zeigen keinerlei Anzeichen für eine Erholung der Konsumstimmung in Deutschland”, erklärte NIM-Konsumexperte Rolf Bürkl.

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Kerstin Dörr – Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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