E-Automarkt in Europa zieht weiter an – Tesla-Absatz bricht ein

Frankfurt (Reuters) – Tesla hat am europäischen Automarkt im Februar trotz einer allgemein höheren Nachfrage nach Elektroautos weiter an Boden verloren.

Der US-Elektroautopionier verkaufte weniger als 17.000 Fahrzeuge in Europa, noch vor einem Jahr waren es mehr als 28.000 Autos, wie aus Daten des Herstellerverbandes ACEA hervorgeht, die am Dienstag veröffentlicht wurden. Das ist ein Rückgang um 42,6 Prozent. Der Marktanteil von Tesla am gesamten Fahrzeugmarkt in Europa schrumpfte um einen Prozentpunkt auf 1,8 Prozent.

Tesla leidet unter dem politischen Engagement von Firmenchef Elon Musk, der im Auftrag von US-Präsident Donald Trump die US-Behörden mit Massenentlassungen derzeit radikal umbaut. Zuletzt kam es zu zahlreichen Protestaktionen vor Tesla-Autohäusern, Fahrzeuge wurden in Brand gesteckt. In Europa stößt insbesondere Musks Unterstützung von rechtspopulistischen Parteien wie der AfD auf scharfe Kritik. Dazu kommt, dass der Elektroautobauer derzeit mitten im Modellwechsel bei seinem Bestseller Model Y steckt, von dem eine überarbeitete Version ab März ausgeliefert wird. Typischerweise brechen die Auslieferungen bei Autobauern ein, bevor ein neues Modell auf den Markt kommt, weil die Produktion wegen der nötigen Umbaumaßnahmen gedrosselt wird. Nicht zuletzt steigt die Konkurrenz für Tesla durch eine Vielzahl neuer Fahrzeuge von etablierten Herstellern und chinesischen Neuankömmlingen.

Insgesamt zog die Nachfrage nach Elektroautos im Februar an. In der Europäischen Union (EU) wurden gut 131.000 batterieelektrische Neuwagen zugelassen, ein Plus von fast 24 Prozent. In den ersten beiden Monaten beläuft sich das Wachstum auf 28 Prozent, so dass sich der Marktanteil vom niedrigen Wert des Vorjahreszeitraums auf 15 Prozent erholte. Trotz der Verbesserung sei die Nachfrage nach Elektroautos nicht hoch genug für den in der EU angestrebten Umstieg auf CO2-emissionsfreie Autos, sagte ACEA-Geschäftsführerin Sigrid de Vries. Die Autoindustrie hatte von der EU-Kommission Entgegenkommen bei Bußgeldern, die bei einem Verfehlen eines ausreichend hohen Absatzes von E-Autos anfallen, gefordert. Die finanzielle Belastung treffe die Branche in einer schwierigen Zeit. Ursache für den schleppenden Umschwung sei die Nachfrage, nicht ein Mangel an Angebot.

Zudem reicht das Plus bei den E-Autos nicht aus, um dem Automarkt insgesamt zu Wachstum zu verhelfen. Die Zulassungszahlen für Benzin- und Dieselfahrzeuge brachen bis Ende Februar um 20 Prozent beziehungsweise 28 Prozent ein. Ihr Marktanteil schrumpfte um rund zehn Prozentpunkte auf knapp 39 Prozent. Insgesamt sanken die Neuzulassungen in den ersten beiden Monaten um drei Prozent auf 1,69 Millionen Fahrzeuge. “Wir gehen weiterhin davon aus, dass der Automarkt weltweit in diesem Jahr stagniert”, schrieben die Analysten der Citi.

Die Kommission will am Dienstag eine Gesetzesänderung auf den Weg bringen, damit die Autobauer die Reduktionsziele für den CO2-Ausstoß der Neuwagenflotten innerhalb von drei Jahren statt in diesem Jahr erreichen müssen. Hinzukommen müssten aber noch Investitionen in die Ladeinfrastruktur und staatliche Kaufanreize, forderte ACEA.

(Bericht von Ilona Wissenbach und Christina Amann. Redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com)

tagreuters.com2025binary_LYNXNPEL2O07H-VIEWIMAGE