London (Reuters) – Die Inflation in Großbritannien ist im Februar deutlicher als erwartet zurückgegangen und nährt Zinssenkungsfantasien.
Die Verbraucherpreise stiegen um 2,8 Prozent zum Vorjahresmonat, nach 3,0 Prozent im Januar, wie das Statistikamt ONS am Mittwoch in London mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Experten hatten mit einem Wert von 2,9 Prozent gerechnet. Die Zentralbank peilt eine Inflationsrate von zwei Prozent an. Sie stellt sich zugleich auf einen neuen Teuerungsschub ein, der die Inflationsrate im Sommer auf 3,75 Prozent katapultieren könnte. Preistreiber Nummer eins dürfte dabei teurere Energie sein.
Das britische Pfund geriet nach den Inflationsdaten für Februar unter Druck. Es verbilligt sich um bis zu 0,5 Prozent auf 1,2883 Dollar. Laut Volkswirt Luke Bartholomew von der Investmentfirma Aberdeen liefern die jüngsten Verbraucherpreisdaten Argumente für eine geldpolitische Lockerung. Der Bericht des ONS ändere zwar die Inflationsaussichten nicht grundlegend: “Aber er sollte den Weg für eine weitere Zinssenkung im Mai frei machen.” Doch dies gilt keineswegs als ausgemachte Sache. An den Terminmärkten wird die Wahrscheinlichkeit für eine geldpolitische Lockerung im Mai auf knapp 54 Prozent taxiert.
NOCH KEINE ENTWARNUNG ANGESAGT
Die Bank of England (BoE) tastete den Leitzins von 4,50 Prozent jüngst nicht an, wobei die Währungshüterin Swati Dhingra in dem neunköpfigen geldpolitischen Ausschuss als Einzige für eine Senkung votierte. Notenbankchef Andrew Bailey verwies auf die derzeit große wirtschaftliche Unsicherheit.
Für eine Entwarnung an der Inflationsfront ist es nach Einschätzung vieler Experten noch zu früh: “Der Anstieg der Energiekosten und der Sozialversicherungsbeiträge im nächsten Monat dürfte die Inflation eher früher als später gefährlich nahe an die Vier-Prozent-Marke treiben”, warnt Suren Thiru vom Wirtschaftsprüferverband ICAEW.
Die Daten vom Februar zeigen zudem, dass die Inflation in dem für die Wirtschaft auf der Insel besonders wichtigen Dienstleistungssektor längst nicht eingedämmt ist: Die Teuerungsrate stabilisierte sich auf hohem Niveau bei 5,0 Prozent. Experten hatten einen Rückgang auf 4,9 Prozent auf dem Radar.
(Bericht von Andy Bruce, William Schoberg, geschrieben von Reinhard Becker, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)