Dunkle Wolken über der Schifffahrt – Trumps Zölle bringen Branche in Rage

– von Elke Ahlswede

Berlin (Reuters) – Nach den US-Zollankündigungen steuert Europas Container-Schifffahrt mitten ins Auge des heraufziehenden Sturms im Welthandel.

“Das wird Auswirkungen haben auf Ladungsströme, auf die Nachfrage und die Kosten”, sagte Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen am Donnerstag in einem Call mit Kunden von Deutschlands größter Container-Reederei. In der Folge könnte sich Hapag-Lloyd gezwungen sehen, seine Flotten-Dienste anzupassen. Die Reederei ist traditionell stark vertreten auf den Nordamerika-Linien. Auch die dänische Maersk zeigte sich entsetzt. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) nannte die Entwicklung dramatisch und sorgt sich um die Lieferketten.

Hapag-Lloyd, Maersk und der VDR betonten, dass die genauen Folgen der US-Zollankündigungen derzeit noch nicht absehbar seien. Schließlich gelte es, die Reaktionen anderer Länder darauf abzuwarten. Aber das Ausmaß der Zölle von US-Präsident Donald Trump sorgte für ungewöhnlich große Verunsicherung in der Branche. “Der von der US-Regierung angekündigte Zollplan ist erheblich und in seiner aktuellen Form eindeutig keine gute Nachricht für die Weltwirtschaft, Stabilität und Handel”, erklärte Maersk. Die nach MSC weltweit zweitgrößte Container-Reederei ist Partnerin von Hapag-Lloyd in der neuen Schifffahrtsallianz Gemini, für die beide Unternehmen einen Teil ihrer Dienste derzeit ohnehin schon umkrempeln.

HAPAG = HAMBURG-AMERIKANISCHE PACKETFAHRT-ACTIENGESELLSCHAFT

Doch wenn sich Warenströme und Kundenwünsche aufgrund von Trumps Zollpolitik ändern, könnten bald noch größere Umwälzungen anstehen. “Im Fall eines weltweiten Handelskriegs werden wir unser Service-Netz anpassen, weil wir unbedingt unsere Kosten unter Kontrolle halten müssen”, sagte der Hapag-Lloyd-Chef. Das Atlantik-Fahrtgebiet ist zentrale Säule des Traditionskonzerns, dessen US-Verbindungen sogar im Namen stecken: Hapag-Lloyd ging aus den Reedereien Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-ActienGesellschaft (Hapag) und Norddeutscher Lloyd hervor.

Hapag-Lloyd-Chef Habben Jansen sprach von Herausforderungen für 2025. Neben den Zöllen beschäftigen das Unternehmen auch Erwägungen der US-Regierung, auf Schiffe “Made in China” enorme Hafengebühren zu erheben. Sollten diese tatsächlich kommen und sehr hoch ausfallen, könnte Hapag-Lloyd weniger Häfen in den USA anfahren, sagte Habben Jansen. Und die Sicherheitskrise im Roten Meer ist auch längst noch nicht ausgestanden. Habben Jansen geht inzwischen davon aus, dass die Schiffe noch bis Ende 2025 den Umweg über die Südspitze Afrikas nehmen müssen.

REEDER-VERBAND: WENIGER BEDARF AN SCHIFFFAHRT?

Deutschland exportierte laut dem VDR 2024 über See Waren im Wert von rund 160 Milliarden Euro in die USA, umgekehrt waren es rund 100 Milliarden. “Eine mögliche Folge der hohen Zölle könnten sinkende Exporte in die USA und damit weniger Bedarf an Schifffahrt sein”, so der VDR. “Die aktuelle Entwicklung der Zoll- und Gebührenpolitik ist dramatisch und wird den globalen Handel erheblich beeinflussen.” Höhere Kosten und mehr Unsicherheit könnten die internationalen Lieferketten destabilisieren und den Warenfluss verlangsamen.

Der Handel mit den USA spielt auch für den Hamburger Hafen eine zentrale Rolle, dessen größter Betreiber die HHLA ist. “Die Zölle der US-Regierung sind ein Tiefschlag gegen die deutsche sowie die europäische Wirtschaft”, sagte HHLA-Chefin Angela Titzrath, die auch Vorsitzende des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) ist. In Bremerhaven hält der Betreiber des Autoterminals, BLG Logistics, bereits eine Verkleinerung seiner Belegschaft für möglich. Der Terminal Bremerhaven gehört mit über 1,5 Millionen umgeschlagenen Fahrzeugen pro Jahr zu den größten Autohäfen der Welt. Laut BLG betreffen 30 Prozent des Autoumschlags die USA. Im schlimmsten Fall könnte sich das US-Geschäft halbieren.

(Bericht von Elke Ahlswede; Mitarbeit Stine Jacobsen in Kopenhagen, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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