Berlin (Reuters) – In deutschen Städten gehen die Preisunterschiede zwischen Stadtzentren und Außenbezirken zurück.
Grund dafür ist, dass die Preise in den Zentren zuletzt – relativ gesehen – deutlich stärker gesunken sind, wie am Donnerstag aus dem Barometer Greix zu Immobilienpreisen auf Stadtviertel-Ebene 2024 hervorgeht. Dies ist ein Gemeinschaftsprojekt der Gutachterausschüsse für Grundstückswerte, ECONtribute und dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Während der Boomjahre auf dem deutschen Immobilienmarkt hatten zentrale Lagen überdurchschnittlich profitiert. “Die Preisspanne zwischen dem günstigsten und teuersten Viertel ist in deutschen Städten aber nach wie vor sehr hoch”, hieß es.
Bei Eigentumswohnungen rücken zentrale und nicht-zentrale Lagen preislich wieder näher aneinander heran; die Prämie, die Käufer für Eigentumswohnungen in zentralen Lagen in deutschen Großstädten zahlen, hat sich demnach reduziert. “Immobilienkäufer sind zögerlicher geworden, was die Preisprämie für Top-Lagen in der Innenstadt angeht”, sagte IfW-Immobilienexperte Jonas Zdrzalek. “Das mag mit veränderten Wohnansprüchen und Pendelbewegungen in Homeoffice-Zeiten zusammenhängen.”
Zuletzt zahlten Käufer noch eine Preisprämie für Wohnungen in Innenstadtlagen von durchschnittlich 1110 Euro pro Quadratmeter. In der Phase des Preisaufschwungs zwischen 2012 und Anfang 2022 lag sie bei 1220 Euro. Am deutlichsten glichen sich laut Studie die Preise in Hamburg an. In den innenstädtischen Bereichen fielen die Wohnungspreise seit 2022 um 17,8 Prozent, in den Außenbezirken um rund 11,8 Prozent.
Während Wohnungspreise im bundesweiten Vergleich sanken, stiegen sie in einigen Stadtteilen teils deutlich, darunter vor allem auch in den Außenbezirken. Am stärksten stiegen die Preise in den Düsseldorfer Stadtteilen Bilk und Oberbilk, (+11,6 %), in Frankfurt Mitte-Nord (+8,9 %) und Hamburg-Harburg (+7,6 %). Die stärksten Preisrückgänge gab es in Hamburg Mitte (-16,5 %) und Düsseldorf Altstadt-Stadtmitte (-10,4 %).
“Die Zinssteigerungen seit 2022 könnten dazu geführt haben, dass Käufer tendenziell auf risikoreichere, aber dafür renditestärkere Immobilien außerhalb der Stadtzentren schauen”, erklärte Zdrzalek. “Dazu könnte kommen, dass sich aufgrund der inflationsbedingten Reallohnverluste schlicht weniger Käufergruppen die teuren Innenstadtwohnungen leisten können.”
Auch wenn die Preisprämie der Zentrumslagen sinkt, besteht der Studie zufolge immer noch eine große Differenz zwischen dem teuersten und günstigsten Viertel in vielen deutschen Städten. Mit einem Aufschlag von über 80 Prozent war er etwa in Köln (Innenstadt 5600 Euro pro Quadratmeter gegenüber Chorweiler 3000 Euro) und Frankfurt (Westend/Innenstadt 7100 Euro gegenüber West-Autobahn 3800 Euro) mit am stärksten.
Wie so oft bei Immobilien spielt das teure München hier in einer eigenen Liga. Der Quadratmeterpreis lag 2024 selbst im günstigsten Viertel Moosach-Milbertshofen mit etwa 7500 Euro pro Quadratmeter über dem teuersten Viertel in allen anderen deutschen Großstädten. In Münchens teuerstem Viertel Altstadt-Maxvorstadt kostete der Quadratmeter sogar etwa 11.300 Euro.
(Bericht von Klaus Lauer, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)