Frankfurt (Reuters) -Der Verpackungshersteller Gerresheimer tauscht überraschend seinen unter Druck geratenen Finanzchef aus. Bernd Metzner werde das Unternehmen zum 31. August 2025 auf eigenen Wunsch verlassen, um sich einer neuen beruflichen Herausforderung zu stellen, teilte der Konzern am Freitag mit. Nachfolger als Finanzvorstand werde Wolf Lehmann, der seinen Posten am 1. September antrete. Lehmann war den Angaben zufolge zuletzt Operating Partner bei der Private-Equity-Gesellschaft Triton. Der neue Großaktionär Active Ownership Capital (AOC) begrüßte den Wechsel im Vorstand.
Metzner stand nach dem geplatzten Verkauf von Gerresheimer an Finanzinvestoren und dem Verfall des Aktienkurses verstärkt im Fokus. Angesichts des Vertrauensverlusts am Kapitalmarkt müsse auch die Position von Finanzvorstand Metzner hinterfragt werden, hatte AOC jüngst gefordert.
Das Unternehmen hatte seit Jahresbeginn mit mehreren Finanzinvestoren – in wechselnden Konstellationen – über eine Übernahme verhandelt. Anfangs war von einem Preis von 90 Euro je Aktie die Rede, inzwischen wird die Aktie an der Börse bei gut der Hälfte gehandelt. Am Freitag lag sie bei 42,86 Euro.
Gerresheimer hatte unter anderem deshalb Aufmerksamkeit auf sich gezogen, weil der Düsseldorfer Konzern auch Pens herstellt, die zur Injektion von Medikamenten zur Gewichtsabnahme wie Wegovy von Novo Nordisk verwendet werden. Mitte Juli erteilte der Vorstand aber allen Bietern eine Absage, nachdem das Interesse geschwunden war. Stattdessen soll die Behälterglas-Sparte Moulded Glass verkauft werden, die rund 30 Prozent des Umsatzes ausmacht. Gerresheimer will sich ganz auf Verpackungen für die Pharma- und Biotechbranche spezialisieren.
NEUER GROSSAKTIONÄR POCHT AUF WEITERE VERÄNDERUNGEN
AOC drängt auf einen raschen Verkauf von Moulded Glass, um die Verschuldung abzubauen. Aber das reiche noch nicht: “Weitere notwendige zentrale Maßnahmen sind nach Ansicht von Active Ownership zusätzliche Portfoliooptimierungen, die Auflage eines Effizienzprogramms (…) insbesondere durch Kostensenkungen in Verwaltung und Geschäftseinheiten”, hatte der Investor erklärt. Angesichts des Vertrauensverlusts am Kapitalmarkt müsse auch die Position von Finanzvorstand Metzner hinterfragt werden. Dieser nahm nun seinen Hut. “Wir begrüßen den zügigen Wechsel im Vorstand von Gerresheimer und die Berufung von Wolf Lehmann zum neuen CFO”, sagte ein AOC-Sprecher. “Aufgrund seiner ausgewiesenen Finanzexpertise und langjährigen Erfahrung erwarten wir, dass er wichtige neue Impulse setzt und entscheidend dazu beiträgt, das vorhandene Verbesserungspotenzial zu heben.”
Aktivistische Investoren versuchen bei börsennotierten Unternehmen Veränderungen zu erzwingen, die die Aktie nach oben treiben. Dabei genügt ihnen meist ein Aktienanteil von wenigen Prozent, um etwas zu bewegen. Stoßen sie mit ihren Forderungen auf Widerstand, suchen sie die Öffentlichkeit. Oft folgen ihnen dann große Investmentfonds, was ihre Schlagkraft erhöht.
AOC hatte sich in Deutschland einen Namen gemacht, indem der kleine Investor beim hessischen Pharmakonzern Stada einstieg und den Vorstand vor sich hertrieb, bis Stada 2017 an Finanzinvestoren verkauft wurde. Hinter AOC stehen der frühere Investmentbanker und DHL-Manager Florian Schuhbauer und sein Kollege Klaus Röhrig. In Deutschland ist der Investor auch am Lebensmittel-Versender HelloFresh und am Personalvermittler Amadeus Fire beteiligt.
(Bericht von Ralf Banser und Matthias Inverardi, redigiert von Philipp Krach. Bei Rückfragen wenden Sie sich an die Redaktionsleitung unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)